Eine Aufgabe

Ein Brief. Ein Tisch. Ein Baseballschläger. // Ein Tisch. Ein Baseballschläger. Ein Brief. // Ein Baseballschläger. Ein Brief. Ein Tisch. // Ein Brief. Ein Baseballschläger. Ein Tisch. // Ein Tisch. …

Es gab eine Zeit, in der hätte ich eine schreckliche, traurige Geschichte aus diesen Dingen gemacht. Der Baseballschläger, der den Tisch zerschlägt. Der Baseballschläger, der einen Menschen trifft. Der Brief, der Tod beschreibt und Tod auslöst.

Wir assozieren einen Baseballschläger mit Gewalt. Mit Zuschlagen. Zerbersten. Was ist an einem Sportgerät schrecklich? Das Geräusch, wenn der Baseballschläger auf den Boden schlägt; das einzig Schreckliche sind die Tränen des Jungen, der den Ball nicht getroffen hat. Im Hintergrund jubelt hingegen die gegenerische Mannschaft. Ein Cheerleader tauscht heimliche Blicke mit dem Star des Teams, der bis jetzt jeden Ball in die Unendlichkeit des Horizontes gepitscht hat. Auch heute. Wenn der Andere den Platz längst verlassen hat. Es wird eine lange Nacht.

Der Tisch. In dieser alten Geschichte ist er irgendwann kaputt. Vielleicht reell, vielleicht auch nur von der Last, die er in diesem Moment trägt. Im Moment trägt er auch eine Last. Zwei Menschen, mitten im Geschlechtsakt. Es könnte ihn schlechter treffen. Das alte Holz wird getreichelt, streichelt den Rücken der jungen, nackten Frau; umgarnt die Handwurzel ihres Mannes. Der Ring an seinem Finger hinterlässt leichte Kratzspuren in Zedernholz.

Der Brief. Man merkt, wie die Zeit vergeht. Ein Brief. Ein Brief? Damals. Geschrieben mit der Hand, vielleicht ist die Tinte verlaufen aufgrund von Tränen, viellicht trägt er Spuren von Parfüm. Was mache ich mit dir, was bist du heute? Eine sms ist mir zu kalt, ebenso wie ein Facebook-Eintrag zu hässlich ist, gerade in diesen Zeiten. Vielleicht bist du eine Flaschenpost, auf deinem Weg von Mannheim nach Rotterdamm ins offene Meer. Wer dich findet? Ich weiß nicht. Heute bin ich keine allwissende Erzählerin, nur eine Person, die schreiben will aus puren Vergnügen.

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